Programm & Unterlagen
WiSe 23/24

Themen 23/24 Zusammenfassung
Klimawandel, Klimakrise und Klimagerechtigkeit sind unbestritten jene Themen, die Gesellschaften vor große Herausforderungen in Wirtschaft, Sozialem und Ökologie stellen und eine Transformation erfordern, wenn Klimaziele erreicht werden sollen. Diese wird in der Ringvorlesung in den Vordergrund gerückt und dazu konkrete Beiträge, Impulse und Handlungsansätze
von den Vortragenden und Teilnehmenden diskutiert.
Programm & Unterlagen
Einführung in die LV (Angela Hof & Sylke Hilberg, PLUS), anschließend erster Vortrag von Bernhard Salcher
Keine Vorlesung – individuelle Prüfungsvorbereitung! 1. Klausurtermin: 31.1.2024, 2. Klausurtermin: 22.2.2024, 3. Klausurtermin: 14.3.2024
Vortragstitel und Abstracts
4.10.2023: Bernhard Salcher (PLUS)
Klimawandel: natürlich vs. anthropogen
Während der rund 4.5 Milliarden Jahre andauernden Existenz unserer Erde ist die Atmosphäre und damit unser Klima starken Veränderungen unterlegen. In dieser Vorlesungseinheit wird kurz auf die Besonderheiten, die unser irdisches Klima prägen, eingegangen. Stärkerer Fokus wird dabei auf die letzte Million Jahre gelegt, jener Klimaepoche, die die Menschheitsgeschichte geprägt hat. Es werden natürliche Schwankungen analysiert und im Kontext des anthropogen verursachten Klimawandels diskutiert. Kipppunkte und Rückkoppelungsmechanismen im Klimasystem werden dabei ebenso besprochen, wie Auswirkungen auf das globale und regionale (Alpine) Klima.
11.10.2023: Jan Habel (PLUS)
Klimawandel und Biodiversität
Die Änderungen des Klimas sind auch im Salzburger Land spürbar und beeinflussen Natur und Mensch. Die Aufzeichnungen von Temperatur und Niederschlag zeigen starke Änderungen, besonders seit den 1980er Jahren, wobei diese Änderungen über Zeit und bis heute immer mehr zugenommen haben. Die Biodiversität zeigt Reaktionen auf diese Veränderungen. So verschieben sich die Verbreitungsareale in die höheren Lagen der Alpen. Neue Arten wandern durch die klimatische Erwärmung aus dem Mittelmeerraum ein. Gleichzeitig werden kälteliebende Arten wie zahlreiche Alpenendemiten in naher Zukunft unter Umweltstress geraten und aussterben. Ebenso verändert sich das zeitliche Auftreten von Arten, die immer früher im Frühling auftreten und zum Teil bis spät in den Herbst zu beobachten sind. Arten die bislang immer im Herbst in den Süden zurück gewandert sind können heute in Mitteleuropa den Winter überdauern. Es ist zu beobachten, dass jede Art anders auf diese abiotischen Veränderungen reagiert. So kann es schnell zu räumlichen und zeitlichen Entkopplungen kommen, mit fatalen Folgen für Interkationen zwischen Arten und die Funktionen ganzer Ökosysteme.
18.10.2023: Jörg Robl (PLUS)
2 + 2 = ? – Klima ist mehr als die Summe seiner Teile
Das System Klima wird durch komplizierte Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre, den Ozeanen (Hydrosphäre) und der festen Erde (Lithosphäre), sowie dem Leben auf der Erde (Biosphäre) kontrolliert, wobei der Kohlenstoffkreislauf mit großen Reservoirs in und Stoffflüssen zwischen den einzelnen Sphären der Erde ein zentrales Element darstellt. In diesem Vortrag beschäftigen wir uns mit den Grundlagen des Kohlenstoffkreislaufs, dem Treibhauseffekt und der damit verbundenen Energiebilanz der Erde, lernen Kippelemente und nicht lineares Verhalten im System Klima kennen und beleuchten die Auswirkungen der rezenten Klimaerwärmung auf unseren Lebensraum aus der Perspektive der Geologie.
25.10.2023: Reinhold Popp (Sigmund Freud Privatuniversität Wien)
Zukunftsangst & Klimakrise – im Kontext komplexer Wandlungsprozesse
Niemand kann wissen, wie die Zukunft wirklich wird. Dies gilt auch für die naturwissenschaftlich erforschbaren Klimaprognosen, für die es zwar eine sehr starke Evidenz, aber – vor allem im Hinblick auf viele wichtige Detailfragen wie etwa die regionalen Unterschiede – keine eindeutige Gewissheit gibt. Noch größer ist die Ungewissheit bezüglich der ökonomischen, psychosozialen, gesellschaftlichen und politischen Folgen des Klimawandels. Die mit der Zukunft im Allgemeinen und der Zukunft des Klimawandels und dessen vielfältigen Folgen im Besonderen unvermeidbar verbundene Ungewissheit erzeugt bei vielen Menschen Zukunftsangst. In meinem Vortrag skizziere ich einige wichtige wissenschaftliche Diskurse zum Thema Zukunftsangst – mit besonderer Berücksichtigung von „Eco-Anxiety“ – sowie zu Strategien der Angstbewältigung.
8.11.2023: Christine Vallaster (PLUS)
Kreislaufwirtschaft: Wenn sich die Wirtschaft dreht: Was bedeutet das?
Die Dringlichkeit ökologischer Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Anpassungsfähigkeit zwingt die Betriebswirtschaftslehre, traditionelle Ansätze des Wirtschaftens in Frage zu stellen. Ein Konzept, das zunehmend Bedeutung erlangt, ist die Kreislaufwirtschaft: Was sind die Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft? Welche transformative Kraft hat sie für Unternehmen? In dieser Vorlesung sehen wir, wie Unternehmen anfangen, ihre Geschäftsmodelle umzugestalten, um Ressourceneffizienz, Abfallminimierung und Umweltauswirkungen zunehmend in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei sind die Neuausrichtung von Produktions- und Lieferketten, das Design von Produkten für eine längere Lebensdauer und die Kooperation zwischen Unternehmen Schlüsselfaktoren, um den Gedanken der Kreislaufwirtschaft voranzutreiben und gleichzeitig Profit zu generieren.
In dieser Vorlesung wird auch die Spannung reflektiert zwischen wirtschaftlichem Wachstum und ökologischer Verantwortung. Welche Fähigkeiten auf Mitarbeiter*innenebene werden benötigt? Welche Rolle spielt jede*r Einzelne im Erkennen und der Förderung nachhaltiger Geschäftspraktiken?
Studierende werden ermutigt, kritisch zu denken und innovative Wege zu erkunden, wie Unternehmen in einer Kreislaufwirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können.
15.11.2023: Martin Knoll (PLUS)
Tourismus & Nachhaltigkeit – historische Perspektiven auf ein aktuelles Thema
Tourismus ist ein komplexes gesellschaftliches Handlungs- und Politikfeld. Er war Begleiter und Treiber von zunehmender Mobilität und Globalisierung. Prozesse der ökonomischen, sozialen und sozialökologischen Transformation regionaler Gesellschaften, Infrastrukturentwicklung und Eingriffe in Natur- und Kulturlandschaften, aber auch kulturelle Kontakte und Konflikte zwischen Reisenden und Bereisten sind einige der viel diskutierten Problemfelder. Aktuelle Diskussionen um die Bedeutung und die Probleme des Tourismus bedürfen des historischen Rückblicks. War die Geschichte des Tourismus zunächst innerhalb der Geschichtswissenschaft mit Verzögerung als Untersuchungsgegenstand aufgenommen worden, bildet sie heute ein dynamisches Feld im Kontext der einschlägigen Forschungslandschaft. Der Beitrag erörtert Fragen an die Nachhaltigkeit von Tourismus aus einer historischen Langfristperspektive heraus und zeigt, wie dieser historische Blick auch zu aktuellen Debatten um die künftige Entwicklung des Sektors beitragen kann.
22.11.2023: Johannes Klackl & Eva Jonas (PLUS)
Die Psychologie des Klimawandels
In der Vorlesungseinheit “Die Psychologie des Klimawandels” erörtern wir das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen im Kontext des Klimawandels. Wir stellen verschiedene psychologische Zugänge zum Thema Klimawandel vor, und erörtern, wie kognitiven Prozesse, ideologische Überzeugungen, soziale Normen und Emotionen unsere Wahrnehmung, unser Verständnis, und unser Handeln im Rahmen des Klimawandels prägen. Ziel der Vorlesung ist es, ein tieferes Verständnis dafür zu erhalten, wie die Psychologie menschliches Verhalten im Kontext des Klimawandels erklären, vorhersagen, und verändern kann.
29.11.2023: Thomas Schubatzky (Universität Innsbruck)
Klimawandelbildung: Was, wie und warum?
Was wird unter Klimawandelbildung und/oder „Climate (change) literacy“ verstanden und wie können wir diese bei unterschiedlichen Zielgruppen fördern? Der Vortrag widmet sich dieser zentralen Fragestellung und versucht, basierend auf theoretischen Überlegungen und empirischen Evidenzen über den aktuellen Stand der Klimawandelbildung, konkrete Handlungsempfehlungen für Lernsettings (etwa formalen Unterricht oder außerschulische Lernorte) abzuleiten. Dazu werden unterschiedliche Dimensionen von Klimawandelbildung betrachtet und zusammengeführt. Um ein möglichst umfassendes Bild zur Klimabildung zu liefern, widmet sich der zweite Teil des Vortrags dem Thema Desinformationen im Kontext des Klimawandels und wie wir Menschen unterstützen können, sich vor derartigen Desinformationen zu schützen.
6.12.2023: Caitríona Ní Dhúill (PLUS)
Worte finden: Literatur und Sprache vor dem Hintergrund der Klimakrise
Ausgehend von kurzen literarischen Texten werden verschiedene Möglichkeiten erprobt, wie Gefühle und Gedanken zu Klima- und Ökokrise in Sprache gefasst werden, um so besser mit ihnen umgehen zu können. Gefühle zu diesen Themen reichen von Unbehagen über Angst und Trauer bis hin zu Wut, Schuld oder Gleichgültigkeit. Gedanken kreisen zwischen abstrakter Statistik, Visionen einer düsteren Zukunft und überwältigend langen To-Do-Listen. Bisweilen werden beide – Gefühle und Gedanken – auch einfach ausgeschaltet oder umgelenkt. Was also tun? Literatur- und kulturwissenschaftliche Ansätze betonen das Potential von Literatur und Sprache in diesem Zusammenhang. Die Literatur kann erstens ein Resonanzraum sein, die es Leser:innen ermöglicht, sich über ihre eigenen Gefühle und Gedanken mehr Klarheit zu verschaffen. Zweitens bietet die Literatur alternative Weltentwürfe, die ungewohnte und originelle Perspektiven auf aktuelle Problemlagen eröffnen. Gemeinsames Lesen, Diskutieren, kreatives Schreiben und Umarbeiten können als Techniken geübt werden, die die Fantasie fördern und emotionale Resilienz stärken.
13.12.2023: Martin Himly (PLUS)
Das Safety-and-Sustainability-by-Design (SSbD) Konzept … so stellt sich die EU nachhaltige Innovation in den Zukunftsmärkten vor
Innovation in den wichtigen Zukunftsmärkten wie Medizin, Ernährung, Transport, Wohnen oder Energie muss im Einklang mit den Zielen des Europäischen Green Deal erfolgen. Wie kann das gelingen? Abschätzung von Sicherheit und Nachhaltigkeit soll früh in die Produktentwicklung eingebettet werden. Experimentelle Analyse aus in vitro Versuchen und Vorhersage mittels in silico Methoden müssen immer besser ineinandergreifen, über die verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit hinweg. Das Joint Research Center der Europäischen Kommission legt ein Konzept vor, welches nun in breiter Kooperation mit Forschung und Industrie getestet und weiterentwickelt wird. Das SSbD-Konzept erfordert eine Nachhaltigkeitsabschätzung und -planung bereits früh im Entwicklungsprozess und will so Gesundheit für Mensch und Umwelt garantieren, neben sozialer Verträglichkeit, ökonomischer Machbarkeit und gewünschter funktionaler Performance.
20.12.2023: Synthia Hasenöhrl (Universität Wien)
Die Notwendigkeit intersektionaler Klimagerechtigkeit
Die ungleichen gesellschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels werden von Jahr zu Jahr sichtbarer. Allerdings konzentrieren sich viele Klimapolitiken weiterhin auf technologische Lösungen der globalen Klimakrise, während u.a. feministische, anti-kapitalistische und rassismuskritische Wissenschafter*innen seit langem eine tiefergehende Transformation der Gesellschaft fordern. Hieraus ist auch das Konzept
der Klimagerechtigkeit entstanden. Der Vortrag geht von diesem Konzept aus und erklärt die Notwendigkeit einer intersektionalen Perspektive,
die Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus verbindet. Am Beispiel Frankreichs wird gezeigt, dass eine intersektionale Perspektive auf
Klimagerechtigkeit nicht nur beim Umgang mit Klimawandelfolgen notwendig ist, sondern auch bei der Ausrichtung von Klimapolitiken und
Klimaaktivismen.
10.1.2024: Alina Brad (Universität Wien)
Die globale politische Ökonomie der Klimakrise
Die Folgen des Klimawandels – Dürren, Überschwemmungen, Hitzeperioden – und seine Bekämpfung haben bereits heute weitreichende gesellschaftliche Implikationen (Klimaflucht, die Entwertung von Vermögen, neue Verteilungskämpfe). Die Eindämmung der Klimakrise ist eine der größten gesellschaftspolitischen Aufgaben unserer Zeit. War das Verständnis des Klimawandels lange primär eine naturwissenschaftiche Herausforderung, so erfordert das Verständnis seiner bislang unzureichenden Eindämmung sozialwissenschaftlichen Perspektiven. Im Zentrum der Vorlesung steht die Frage: Warum ist die gesellschaftliche Reaktion auf die Klimakrise so zögerlich? Warum greifen Klimaschutzmaßnahmen zu kurz? Welche Machtstrukturen liegen den dominanten klimapolitischen Steuerungsmechanismen (z.B. CO2-Bepreisung und Emissionshandel) zugrunde und was hat bislang eine angemessene Lösung der Klimakrise verhindert?
17.1.2024: Erde brennt Salzburg (PLUS)
Widerstand, Protest und Aktivismus – Bericht aus der Klimagerechtigkeitsbewegung
An diesem letzten Termin der Ringvorlesung wollen wir die erworbene wissenschaftliche Basis aus den vorangegangenen Terminen in den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Kontext einordnen, weiter reflektieren und Handlungsmöglichkeiten ausloten. In der Auseinandersetzung mit der Klimakrise entstehen häufig Gefühle wie Wut, Hilflosigkeit oder Angst- was können wir damit tun? Wir werden als Vertreter*innen von Erde Brennt Salzburg verschiedene Formen von Protest und Widerstand als Möglichkeiten zur Einflussnahme auf politische Entscheidungen und gesellschaftlichen Diskurs thematisieren. Dabei werden wir historische und aktuelle (auch globale) Proteste innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung vorstellen und diskutieren, was verschiedene Arten von Widerstand bewirken konnten und können.
Kontaktiere uns
Haben Sie Fragen? Wir sind immer offen für Gespräche und beantworten Ihre Fragen.